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Vorvergrauung: Die natürliche Veränderung von Holz bewusst gestalten

Holzfassaden verändern sich unter dem Einfluss von Sonne und Witterung. Verantwortlich dafür ist unter anderem das im Holz enthaltene Lignin: UV-Strahlung baut es an der Oberfläche ab, Regen und Feuchtigkeit tragen die gelösten Bestandteile nach und nach ab. So entsteht mit der Zeit die typische silbergraue Patina.

Dieser natürliche Prozess beeinflusst vor allem die Optik, nicht jedoch die Tragfähigkeit des Holzes.

Die Vergrauung verläuft allerdings nicht immer gleichmäßig. Je nach Ausrichtung der Fassade, Sonneneinstrahlung, Schlagregen oder konstruktiv geschützten Bereichen können unterschiedliche Farbtöne entstehen.

Gleichmäßige Optik von Anfang an

Bei einer Vorvergrauung wird die gewünschte Farbwirkung bereits vor der Montage erzeugt. Dafür kommen je nach System beispielsweise pigmentierte Beschichtungen oder spezielle Vorvergrauungsbehandlungen zum Einsatz, die werkseitig auf die Holzoberfläche aufgebracht werden.

Die natürliche Bewitterung des Holzes findet trotzdem weiterhin statt. Auch eine vorvergraute Fassade bleibt ein Naturprodukt und entwickelt sich mit der Zeit weiter. Der Unterschied liegt vor allem darin, dass mögliche Farbunterschiede während der ersten Bewitterungsphase optisch weniger stark in Erscheinung treten können.

Gestaltung bewusst planen

Eine vorvergraute Fassade kann besonders dann sinnvoll sein, wenn eine homogene und zurückhaltende Fassadenwirkung gewünscht ist. Sie passt zu moderner Architektur ebenso wie zu Gebäuden, bei denen Holz bewusst als natürlicher Akzent eingesetzt wird.

Dabei stehen unterschiedliche Farbtöne und Oberflächen zur Verfügung – von hellen Silbergrau-Nuancen bis hin zu dunkleren, markanteren Grautönen.

Welche Lösung zum jeweiligen Gebäude passt, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • der gewählten Holzart,
  • der Fassadengestaltung,
  • der Oberflächenbehandlung,
  • der Gebäudegeometrie,
  • der Witterungsexposition
  • und natürlich der gewünschten architektonischen Wirkung.

Gestaltung und Konstruktion gehören zusammen

Eine vorvergraute Holzfassade sollte deshalb nicht ausschließlich unter gestalterischen Gesichtspunkten betrachtet werden. Entscheidend ist auch die fachgerechte Planung und Ausführung der Fassadenkonstruktion.

Eine funktionierende Hinterlüftung, ein ausreichender konstruktiver Holzschutz und eine auf die jeweilige Beanspruchung abgestimmte Materialwahl bleiben unabhängig von der Oberflächenbehandlung wesentliche Voraussetzungen für eine dauerhaft funktionierende Holzfassade.

Die Vorvergrauung kann die optische Entwicklung beeinflussen – die konstruktive Qualität der Fassade ersetzt sie nicht.

Holzfassaden streichen oder nicht streichen?
Holzfassaden von Massivholzhäusern müssen nicht zwingend gestrichen werden. Geeignetes Holz entwickelt von Natur aus eine schützende Patina, die sich je nach Bewitterung von silbergrau bis schwarz-braun ausprägt.
Nahaufnahme einer vergrauten Holzschindelfassade eines Massivholzhauses. © Brunthaler Naturhausmanufaktur
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Autor Walter Brunthaler

Autor: Walter Brunthaler
Gründer und Inhaber der Brunthaler Holzbau GmbH & Co. KG | Unternehmer, Waldbesitzer, Zimmerermeister | Entwickler der MONOBLOCK-Massivholzbauweise, der DUOBLOCK Holz-Beton-Verbunddecke und des Brunthaler-Einofenhauses. Auszeichnungen: Gütesiegel des deutschen Baugewerbes „Meisterhaft – fünf Sterne“, Siegel „AMS-Bau“ („Arbeitsschutz mit System“), RAL GZ-422 (Gütezeichen Holzhausbau)

Quellen:

  • BauNetz Wissen
  • Deutscher Holzschutzverband für Außenholzprodukte e.V.
  • Entwicklungs- und Planungsabteilung der Brunthaler Holzbau GmbH & Co. KG.